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Foto: Artothek des Bundes
Beckett 19639347
Foto: Artothek des Bundes
Foto: Artothek des Bundes

Beckett 19639347

Künstler/in (geb. 1958 in Schwaz, Tirol)
Date2001
ClassificationsFotografie
MediumC-Print auf Aluminium
Dimensions70,5 × 70,5 cm
Credit LineArtothek des Bundes
Object number25995
Description
alphawelten sind riesige virtuelle welten im netz, bestehend aus abermillionen objekten, geschaffen von hundertausenden "usern".
um die einzelnen bildobjekte auffinden zu können, wurde eine zwölfstöckige pyramide als alphaweltmappe konstruiert.
als ich diese welt entdeckte, kam mir sofort borges' "die bibliothek von babel" in den sinn.
die oberste ebene dieser pyramide stellt die satellitenansicht einer gesamten alphawelt dar, nach unten zu werden die maßstäbe immer kleiner. die erste ebene, also der boden der pyramide ist somit am detaillreichsten, sie enthält zigtausende close-up bilder.
jeweils eine dieser zwölf ebenen verwende ich als bilddatenmenge, um sie mittels mathematischer berechnungen, einer art computing auf der basis von algorithmen, zu decodieren und recodieren. dieses computing würde bei angenommener unaufhörlicher anwendung zur auflösung der bilddaten führen, wenn man so möchte, zur auflösung über die gleichheit in der leere, ganz im sinne meines gleichnamigen projektes, das ich in der kunsthalle wien im september 2000 realisiert habe.
codierungen sind, man denke z.bsp. an videokomprimierverfahren, prozesse der täuschung. durch verringerung der bildrate löst man das bild zum einen immer mehr auf, in einem weiteren prozess vergrößert man quasi die lücken zwischen den laufenden bildern. das "nichts", könnte man sagen, wird immer mehr ausgedehnt.
dieser täuschungsprozess funktioniert so lange, so lange unsere sinne in der lage sind, diese lücken durch mathematische konstruktionsverfahren im gehirn, wieder zu füllen.
bei der codierung von stehenden bildern gelangt dieser prozess der täuschung, obgleich auf eine andere art, ebenfalls zur anwendung.
selbst wenn der betrachter nicht sieht, wertet der computer aus. In feinen abstufungen oder verschiebungen verweben sich die eigentlichen bildinformationen mit weiteren angaben, sogenannte steganographische techniken. steganographische werkzeuge verbergen eine mitteilung im rauschen einer anderen.
diese steganographischen techniken mache ich mir zu nutze, um texte, die wiederum rückbezüglich den codierungsprozess beeinflussen, und somit eine direkte auswirkung auf das bildresultat haben, in der verwendeteten bilddatenmenge zu verbergen. jedes bild enthält also einen text, der nur durch ein entschlüsselungsverfahren bloß zu legen ist. der schlüssel zum text mit der zahl 186713, könnten beispielsweise die beiden primfaktoren 589 und 317 sein. Das eindringen in das system funktioniert also nur durch den code. wer den code kennt, ist der meister des lebens.
allein die vorstellung, dass diese alphaworks, c-prints im format 70,56 x 70,56 cm auf aluminium kaschiert, eben nicht bloß bilder, sondern gemäß deren konzeption auch datenträger von z.bsp literarischen texten sind, läßt die vermutung zu, dass möglicherweise nicht die materialität, sondern die energiezustände, also die gedanken, die bibliothek des lebens bestimmen.
was mich bei den alphaworks, diesen computergenerierten bildern, neben dem verfahren, texte unbemerkt zu verpacken, und somit tote muster quasi lebendig zu machen, in der dichtung "teppich des lebens" genannt, in erster linie interessiert, ist die prozessuale methodik der annäherung an die schnittstelle zwischen decoding und recoding, also die suche nach der paradoxie des bildes.
da auflösung und generierung der bilddaten ineinander verschwimmen, ist die definition des schnittbereichs zwischen decoding und recoding eine herausforderung, der ich zumeist nur in der haltung einer passiven negation der jeweiligen formalen entität gewachsen bin.
das bildresultat sollte sich also zwischen diesen beiden offenen schranken von decodierung und recodierung manifestieren.
die methode zum erreichen des schnittbereichs der beiden codierungsmengen ist durchaus dem prozessualen einer "artmachine" gleichzusetzen. die endgültige festlegung des bildresultats unterliegt jedoch dem zustand meines befindens während des entscheidungsprozesses.
die ästhetische dimension mag gerade in den schwebezuständen zwischen sogenanntem faktischem und fiktivem, zwischen selbsterfahrung und selbstvergessen liegen, im ästhetischen spiel mit selbsterzeugten änderungen der welt (simulation) und externen änderungen der welt (stimulation).
Text: Toni Kleinlercher
[[missing key: detailactions.not-available-label]]
Light Exposure Warning
Foto: Artothek des Bundes
Toni Kleinlercher
2001
Foto: Artothek des Bundes
Toni Kleinlercher
2002
Foto: Toni Kay, Videostill
Toni Kleinlercher
2002
© Bildrecht, Wien, 2021; Foto: Andrea Kopranovic
Toni Schmale
2018
Foto: Toni Schmale
Toni Schmale
2014
Foto: Artothek des Bundes
Toni Bucher
1967
Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien
Toni Bucher
1973
Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien
Toni Höck
1977
Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien
Toni Bucher
1964
Foto: Nikolaus Schletterer
Nikolaus Schletterer
1999-2001
Foto: Luiza Margan
Luiza Margan
2012